Interview mit Elon Kelmendi von bokolina.com – dem Marktplatz für Busreisen

Elon_FotoSeitdem der Busmarkt dereguliert hat sich ja einiges getan. Neben dem alten Platzhirschen berlinlinienbus.de sind viele weitere Anbieter auf der Markt gedrängt: ADAC Postbus, Flixbus, meinfernbus.de, deinbus.de als Fernbusanbieter oder checkmybus.de, fernbusse.de, busliniensuche.de als Bus-Buchungsplattform für Fernbusfahrten. Selbst die Samwers sind mit Rocket Internet in Deutschland mit klickbus.de gestartet.

Was ist Eure Motivation dafür, mit bokolina.com, einem Marktplatz für Busreisen in so einem schon sehr überfüllten Markt jetzt noch zu starten? Was sind die Vorteile von bokolina?

Zuerst sollte man den Wettbewerb in zwei Bereiche trennen. Zum einen gibt es Personenbeförderungsunternehmen, die gleichzeitig auch ihre Linien vertreiben wie bspw. MeinFernbus, Flixbus oder ADAC Postbus und zum anderen gibt es
Vermittungsunternehmen von fremden Linien. Das letzte lässt sich in Metasearcher und OTA’s (Online Travel Agency) unterteilen. Wir sind ganz klar ein OTA! Der Unterschied zwischen Metasearchern wie bspw. busliniensuche.de und einem OTA wie bokolina.com ist, dass bei uns der gesamte Buchungsprozess auf unserer Seite ohne Medienbruch von der Informationsbeschaffung über die Echtzeitbuchung bis hin zur Bezahlung stattfindet. Dagegen leiten Metasearcher auf die Webseite des jeweiligen Personenbeförderungsunternehmens weiter, auf der schlussendlich die Buchung und Bezahlung stattfindet.

Generell gilt die Regel bei Vermittlungsunternehmen in dieser Branche, dass man sich nicht über ein eigenes Preismodell differenzieren kann. Wir von Bokolina wollen den Nutzern vielmehr den besten Mehrwert rund um das Buchungserlebnis bieten. Dies beginnt von der Streckensuche über die Übersichtlichkeit der Preise der unterschiedlichen Anbieter. Uns ist es wichtig, dass der gesamte Prozess auf unserer Seite geschieht und der Nutzer immer weiß, dass er bei Bokolina rund um betreut wird für seine Fernbusreise. Eine Weiterleitung auf eine Drittseite kommt für uns nicht in Frage.
Des Weiteren bieten wir ebenfalls neben der webbasierten und responsiven Seite unsere eigenen nativen Applikationen für Android und iOS mit Passbook Integration an. Ebenfalls werden Nutzer hierbei nicht, wie sonst bei anderen Anbietern, weitergeleitet. Bei uns hat der Nutzer ein One-Shop Erlebnis!
Ebenfalls haben wir die europäischen Märkte im Visier, da der deutsche Markt sehr kostenintensiv ist im Moment. Bokolina wurde nicht nur vom Look and Feel anders gestaltet als alle anderen Marktteilnehmer, sondern internationalisiert vom ersten Tag an in zuvor definierten Fokusmärkten.

Wie kamst Du auf die Idee, wie geht die Gründungsgeschichte von Bokolina?

Ich bin quasi in Bussen aufgewachsen. Mit 21 Jahren habe ich mein eigenes Busunternehmen gegründet. Als die Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs im Januar 2013 kam, kamen neue Busunternehmen auf den Markt. Als potenzieller Busreisender wollte ich eine Fahrkarte auf einer Webseite buchen, worauf das Gesamtangebot abgebildet wird und ohne Weiterleitung. Das gab es leider nicht. Da ich seit Anfang 20 Unternehmer bin und hier ein zu lösendes Problem fand, dachte ich, kombiniere ich das was ich kann mit dem was ich gerne mache. So entstand die Idee 2013, die schnell insbesondere was die Internationalisierung angeht, weiterentwickelt wurde und noch weitere Potentiale in der Zukunft bereitstellt.

Was ist das Geschäftsmodell von Bokolina?

Das Geschäftsmodell von Bokolina ist rein transaktionsbasiert. Dies bedeutet, dass bei jeder Buchung eines Fernbustickets eine prozentuale Vergütung für Bokolina anfällt. Der Reisende zahlt an uns keine Provision oder eine Vermittlungsgebühr, dies übernimmt das Busunternehmen. Des Weiteren haben wir noch weitere Produkte für Busunternehmen geplant, die wir in den kommenden Wochen und Monaten anbieten werden. Wir sehen das rein transaktionsbasierte Model als ersten Schritt und haben viele weitere Ideen, das Geschäftsmodell zu monetarisieren!

Anders als die anderen Wettbewerber findet man bei Euch keinen „Bus“ im Namen. Woher kommt der Name Bokolina?

Bokolina stammt aus unserem Claim – „Book a line“. Uns war von Beginn an klar, dass wir allein im deutschen Markt nicht unser Heil suchen werden und der neue Markt zu Beginn viele Teilnehmer anziehen würde. Da ich bereits durch meine Erfahrung im internationalen Busgewerbe viele Kontakte zu Busunternehmern habe, stand die Internationalisierung, oder besser gesagt die Europäisierung klar im Fokus. Daher der von Beginn an einfache Name, kombiniert mit einem einprägsamen und differenzierenden Designansatz (der vor allem auch die weiblichen Reisenden ansprechen soll).

Ihr zieht jetzt gerade von Mülheim an der Ruhr nach Berlin. Was ist der Grund für Euren Umzug?
Nun, zum einen ist sicherlich die Investorensuche von Berlin aus etwas einfacher mit der dortigen Infrastruktur und Gründernetzwerken und zum anderen benötigen wir für unsere Vision fähige Mitarbeiter, die uns dabei unterstützen. Beide Punkte sind für uns starke Gründe für einen „Umzug“ nach Berlin.

Ihr sucht auch einen Mitgründer für Bokolina. Welche Erfahrungen sollte Dein Mitgründer haben? Was für ein Typ Gründer bist Du selber und Was für ein Typus sollte er sein, um mit Dir zu harmonieren?

Meine Stärken liegen vor allem in der in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen erfolgreich Unternehmen aufgebaut zu haben und im Busreisemarkt sehr viel Erfahrung und Kontakte zu haben. Ich hatte dort, wie auch schon zuvor beschrieben, eigene Buslinien auf- und ausgebaut und kenne die Bedürfnisse von Busunternehmern somit ganz genau. Meine Aufgaben für Bokolina sind recht klar definiert – ich bin für den Auf- und Ausbau der Partnerschaften und strategische Ausrichtung des Unternehmens zuständig.
Mein Partner sollte die von mir weniger beherrschten Kompetenzen im Bereich Marketing mitbringen und vor allem in dem operativen Bereich eine Stütze sein. Wir planen mit weiteren technologischen Funktionen, von daher wäre Erfahrung sicherlich auch wünschenswert. Vor allem jedoch muss die Chemie einfach stimmen, da wir einen jungen und sehr dynamischen Markt im Aufschwung begegnen und dieser verlangt ebenfalls frische und dynamische Typen, die eine Portion Humor mit sich bringen. So, genug Dating hier 😉

Kommen wir zum Produkt: Seht Ihr Euch eher als Mobile App oder als Webplattform oder wollt ihr beides gleichmäßig hochziehen?

Nun, wir werden sicherlich zu Beginn eher in Richtung Mobile in Deutschland gehen, das sehen wir eher aus Kostengründen in Marketing. Ansonsten ist die mobile Applikation sicherlich derzeit mit dem Umfang ein USP.

Liegt Euer Fokus auf innerdeutschen Linien oder eher bei europäischen Fernbusreisen?

Das habe ich hoffentlich schon oben ausführlich erläutert. Wir denken europäisch und richten unsere Plattform und Marketingaktivitäten danach aus.

Bisher läuft Eure Plattform ja im Testbetrieb: Wann launcht ihr offiziell?

Wir sind seit rund 3 Wochen mit der Webplattform online und seit letzter Woche mit den mobilen Versionen. Jetzt geht es los!

Wo siehst Du nach dem Start die größte Herausforderung (für Dich als Geschäftsführer und für das Unternehmen)?

Zum einen unseren Kunden das beste Produkt im Sinne des Buchungserlebnissen zu bieten und die nächste Investorenrunde anzugehen. Da laufen die Vorbereitungen bereits.

Wo siehst Du die größte Herausforderung für den Busmarkt?

In Deutschland: Beim Kulturwandel was Fortbewegungsmittel angeht, Deutschland ist ja ein Bahn-Land. In Europa und generell: Immer noch sehr starke gesetzliche Regulierung.

 

Wir danken Elon für das Interview und wünschen Ihm viel Erfolg, den Busmarkt in Deutschland nach vorne zu bringen.

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